Themen

Vorwort

Die ReferentInnen bemühten sich mit ihren Beiträgen den sog. roten Faden dieser Fortbildung herauszuarbeiten. Sie haben es sich dabei nicht leicht gemacht, die Gradwanderung zwischen Nabelschau und Perspektivenwechsel zu bewerkstelligen. Um Missverständnissen vorzubauen: bei reThink! 2 handelt es sich nicht um eine konventionelle Berufsweiterbildung für Lehrkräfte, sondern um den  Versuch der Implementierung eines  völlig neuen neurosoziologischen Paradigmas, das nahezu das Gegenteil von dem darstellt, was Erziehung und Unterricht bislang bedeuteten.

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Diese Schwierigkeit umzudenken (reThink! ) wurde im Laufe der Woche durchaus deutlich, denn bekanntlich ist es immer leichter den Splitter im Auge des Anderen, nicht aber den Balken vor dem eigenen Kopf zu erkennen. In der Tiefenpsychologie spricht man deshalb auch von der Barriere zwischen der Eigensicht  vs. Fremdsicht (Innensicht und Außensicht) eines Menschen, also von einem Phänomen, mit dem uns die Evolution einen ganz besonders schwer überwindbaren Riegel vorgeschoben hat. Wem ist das im Alltag schon bewusst, wo doch der Kampf ums Dasein, in Form des selbst „wichtig sein“ und „sichtbar werden“ überwiegt. Und sicherlich genauso wenige erinnern sich im beruflichen Alltag an die Worte Willy Brandts, dass in einer Demokratie „die Schule der Nation stets die Schule sei“.

Demokratie  bedeutet schließlich nicht nur die Macht der Mehrheit.  Sie bedeutet insbesondere die Wertschätzung des Anderen, differenzierte Toleranz gegenüber der Meinung anderer, das Delibrieren und das Moderieren von Regeln zum besseren Zusammenleben.  Ein ähnliches Missverständnis betrifft auch die Aufgabe der Schule. Nicht die Algebra und das Wissen um Natur, Geschichte und Sprachen, etc.  stehen dabei im Vordergrund, sondern der Erwerb von Schlüsselkompetenzen und das Ringen um Gerechtigkeit, die dem Menschen die Orientierung im Leben erleichtern sollen. Dazu gehört zunächst einmal seine Einbettung des Einzelnen in eine größere Gemeinschaft.

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Wer von uns in diesem Zusammenhang über die „Schule nach Auschwitz“ (Theodor W. Adorno) ehrlich nachdenkt, kommt also unweigerlich an seinen eigenen Schwächen nicht vorbei. Wahrnehmungsdefizite sind meist ererbter Natur.  Gelingt es im Rahmen von Erziehung und Bildung nicht, dieses solche Defizite zu paralisieren, dann führt das zu Intoleranz, bzw. zur „Vergegnung“, wie es Martin Buber nannte.

Das sei eine Übertreibung meinen Sie? Keineswegs, wenn man sieht, dass allein im Österreichischen Bundesland Kärnten die Wähler rechtsrechter Parteien mittlerweilen mehr als 50% ausmachen. Daran läßt sich leicht erkennen, dass über Jahrzehnte hinweg Soziales Lernen und Civic Education überhaupt keine entscheidende Rolle gespielt haben kann. Vergleichbare Probleme gelten aber nicht nur für Österreich, alle anderen Länder und Nationen haben vergleichbare historischen und gegenwärtigen Probleme zu verkraften.

Warum die zahlreichen Projekte der Politischen Bildung bislang im Grunde gescheitert sind, liegt mit großer Wahrscheinlichkeit in der primär linearen, kulturdeterministischen Herangehensweise der Lehrenden begründet.  Die überwiegende Anzahl der PädagogInnen scheuen sich davor, Politische Bildung überhaupt wahrzunehmen. Sie bleibt bestenfalls ein Orchideenfach, das nur wenigen Eingeweihten ein echtes  Anliegen ist. Denn der Mensch ist aufgrund seiner epigenetischen Entwicklung  lediglich in der Lage derart komplexe Phänomene, wie psychozoziale Störungen einmal sind, holistisch, also ganzheitlich zu begreifen. Erfolgt dieser Zugang nicht, verkümmert der junge Mensch in der Linearität seiner rudimentären Sozialisierung –  mangels Perspektiven wird er unbewusst zum inaktiven Opfer der Grundzüge seiner ererbten charakterlichen Veranlagung. Genau das passiert meistens in der Schule wie auch im Rahmen elterlicher Erziehung. Es gilt deshalb neue Konzepte und Methoden zu entwickeln, die auf den ersten Blick vielleicht paradox aussehen, die aber den Menschen in seinem Dasein eher erreichen. Das genau will Civic Education.

Genaugenommen geht es bei Civic Education und somit bei reThink! um das Erreichen eines  Attitüdenwechsel (siehe: nachfolgende PPt  „Die reThink! Zielsetzung Tafel 8).  Will man das erreichen, braucht es eine umfassende zivilbürgerliche Bildung die bereits im frühkindlichen Lebensabschnitt beginnen sollte. Genauer gesagt: der gehirngerechte Kompetenzerwerb von Schlüsselqualifikationen ist die einzige Möglichkeit diese Probleme und Konflikte zu bewältigen.

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Schule quo vadis?

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Gelangweilte Schüler, frustrierte Lehrer, schlechte Pisa-Ergebnisse – um viele Schulen ist es schlecht bestellt. Kein Wunder, finden Neurodidaktiker: Der Alltag an vielen staatlichen Bildungseinrichtungen widerspreche grundlegenden Einsichten der Neurowissenschaften.

>>> Lernen – vom Gehirn aus betrachtet

Ein Fachartikel aus  Gehirn & Geist (01/2009)

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Dr. Karlheinz Dürr

„Jump into Education for Democratic Citizenship”

>>> Studie „Education for Democratic Citizenship“

>>> Poster zum Download


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stralsund-1761Dr. Anna Majorosi

Was macht zeitgemäßen Unterricht aus?

>>> Handout – Was macht guten Unterricht aus?

>>> Handout – Laufzettel Stationenlernen


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kids1 Dr. Katharina Turecek

„Gehirnforschung und Lernen, können uns die Neurowissenschaften im Schulalltag weiterhelfen?“

>>> Handout – Gehirnforschung

>>> Handout – Reflexion


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zweihirn Michael Stanzer

Die reThink! Zielsetzung

>>> Civic Education ppt


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nur-in-deinem-kopf Arvid Leyh

Braincast Spezial: „Wie wir werden, wer wir sind“ – Der Mensch zwischen Psychologie und Biologie, zwischen Genen und Spiegelneuronen.

Ein Sonderbeitrag für reThink! 2 über die spannende Frage, wer wir eigentlich sind.

>>> Inhaltsübersicht des Vortrages

>>> ppt Präsentation des Vortrages

Braincast 148

Dies wird der erste Zweiteiler in Braincast. Mit unbeschriebenen Blättern, den Gesetzen der Verhaltensgenetik, Buttertoast in Kaffee, langen Fingern, Methylgruppen und vielgeliebten Ratten. Und, in einem Gespräch mit Joachim Marschall von Gehirn&Geist, Neuem über das Einschlafen.
Dauer: 24:25

Braincast 148, Teil 1: 00:24:25

Braincast 149

Teil zwei von Wie wir werden, wer wir sind. Heute mit: Küchenpsychologie, möglichst viel Liebe – auch für Affen! –, relativierten Genen und der womöglich etwas überraschenden Frage, ob Erziehung überhaupt etwas bewirkt. Dazu ein Gespräch mit Steve Ayan von Gehirn&Geist über das akuelle Titelthema: Erfolg.

Braincast 149, Teil 2: 00:31:02


Interessante Filmbeiträge:

>>> Braincast 119  – Das Ding an sich (Film über das menschliche Gehirn)

>>> Braincast 139 – Interview mit Prof. Henning Scheich über das Lernen


Mehr Informationen unter:

www.brainlogs.de

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Dr. Uta Sändig

Kommunikativer Unterricht, eine veritable Methode für den ‘Jump into
Education for Democratic Citizenship’ ?

>>> Handout – Handlungsorientiertes Lernen


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Reinhard Kahls

„Schulen Treibhäuser der Zukunft – Wie Schulen gelingen“

…und dann wird geübt…

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Prof. Dr. Peter Struck

Jugend ohne Werte?  Gewalt als gesellschaftliche Herausforderung

Vortrag aus dem Jahr 1999 aus der Katholischen Akademie „Rabanus Maurus“, Wiesbaden

Seither sind 10 Jahre vergangen, trotz  jahrelanger intensiver Bildungsdiskussion hat sich die Situation seither eher verschlechtert als verbessert. Die Mutlosigkeit der Bildungspolitiker (die fürchten vom Wähler dafür abgestraft zu werden) aber auch die der Pädagogen sind dafür im Wesentlichen verantwortlich. Letztlich liegt es an jedem Einzelnen, ob es in der Bildungsfrage vorwärts geht, oder ob Mitteleuropa, so wie Manfred Spitzer es sagte, in 50 Jahren die T-Shirts für den Rest der Welt wird nähen müssen.

Das also war die Sicht von 1999:

Die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen haben sich in den vergangenen 25 Jahren dramatisch schnell veränderstruckt. Unsere urbanisierte und hochtechnisierte Umgebung ist wenig auf kindliche Bedürfnisse zugeschnitten. Der Computer als Spielpartner ersetzt echte Kontakte und Freundschaften. Die Ansprüche der westlichen Leistungsgesellschaften setzen Kinder schon früh unter Druck – gleichzeitig werden sie alle als wichtiges Marktsegment von der Industrie immer massiver umworben. Familien zerfallen; ein verlässliches Wertesystem fehlt. Wir hören von zunehmender Gewaltbereitschaft, Kriminalität aber auch Depression bei Kindern und Jugendlichen. Und wir hören von ratlosen und resignierten Eltern und Lehrern. Peter Struck, Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Hamburg, analysiert die Umstände, unter denen Kinder heute aufwachsen. Er zeigt Möglichkeiten auf, die Spirale aus Gewalt und Sucht zu durchbrechen und er ermutigt zu einer vernünftigen Werteerziehung.


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