Civic Education

Civic Education bedeutet im Deutschen eigentlich nichts anderes als „Bürgerliche Erziehung“. Meist übersetzt man den Begriff  jedoch als „Politische Bildung“, was aber nicht ganz dasselbe ist, wie später noch näher ausgeführt wird.

jump„Jump into Education for Democratic Citizenship“,
Projekt des Europarates 2005

Wir verwenden diese lateinisch-englische Bezeichnung, weil wir überall in Europa verstanden werden wollen. Warum aber braucht es heute Civic Education, wo sich doch beinahe überall demokratische Regierungen durchgesetzt haben? Nun, die Demokratie in Europa bietet zwar ein Höchstmaß an Freiheit und Rechtssicherheit, sie ist aber auch eine sehr zarte Pflanze, um die buchstäblich täglich neu gerungen werden muss.  Schließlich hat die Evolution den Menschen zum unberechenbaren Kämpfer gemacht, zum „Homo homini Lupus“, wie es der Römer Plautus und nach ihm, der  englische Philosoph Thomas Hobbes genannt haben. Demokratie und Lebenslanges Lernen bedingen deshalb einander, denn nur mittels Bildung sind wir in der Lage unsere „basic instincts“ einigermaßen zu beherrschen.

Weshalb ist das Erlernen von Demokratie gerade heute so wichtig? Wohl deshalb, weil sich die Menschheit insbesondere in den beiden letzten Jahrhunderten derart stark vermehrte, was zu noch nie dagewesenen, nahezu unbewältigbaren Problemen geführt hat. Schließlich gab es auf der Welt noch nie so viele und so fürchterliche kriegerische Auseinandersetzungen wie heute. Diese Konflikte nehmen ihren Ausgang in den Familien, der Schule, dem Arbeitplatz,  zwischen Unternehmen und Börsen und schließlich zwischen Bevölkerungsgruppen und Staaten. Wenn wir das einschränken wollen, müssen wir einen viel engeren Lebensraum und analog dazu, einen Schwund an Ressourcen akzeptieren lernen. Wir werden  nämlich – im übertragenen Sinn – alle zu Einwohnern einer immer enger werdenden „Burg“ (civic = bürgerlich, städtisch) mit analog eingeschränkten Möglichkeiten. Diese Bürger gilt es so zu organisieren, damit sie einigermaßen frei, friedlich und gerecht nebeneinander existieren können. Das ist die Aufgabe die Civic Education insgesamt verfolgt.

Eine oberflächliche Politik, die mit Fokus auf den Wahltag ausschließlich das wirtschaftliche Wachstum zur Sicherung der Arbeitsplätze vor Augen hat, sie wird, ja sie muss sogar daran scheitern. Die zarte Pflanze „Demokratie“ wäre damit rascher verdorben als erwartet.  Damit das hoffentlich nie passiert, wollen wir mit unserem Konzept des „implizit sozialen Lernens“, das die Grundlage für dieses EU-Projekt bildet, einen Beitrag leisten.

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Michel de Montaigne,
Urvater der Civic Education

Eine grundlegende Veränderung des schulischen Lernens, der schulischen Lerninhalte und der bildungspolitischen Rahmenbedingungen ist dabei unumgänglich. In der Schule wird alles mögliche und unnötige an Wissen gelernt, wichtige Dinge wie man bspw. einmal mit Arbeitslosigkeit umgehen soll, oder gar wie man sie verhindern könnte, jedoch nicht. Auch nicht, wie man sich vor Krankheiten  schützt – wie man sich auf ein Leben im hohe Alter rechtzeitig vorzubereiten sollte, oder ganz trivial, wie man sich auf Reisen verhält. Die Ziele schulischer Wissensvermittlung sind genaugenommen im 19. Jh. steckengeblieben.  Ein echtes „für das Leben lernen“ findet an Schulen und oft auch an Hochschulen und Universitäten nur teilweise statt. Civic Education in seiner Anlehnung an die historische Aufklärung und dem Ziel der Bildung einer „Offenen Gesellschaft“ bildet demgegenüber einen konstruktiven Gegenentwurf.

Die  Umsetzung von Civic Education in Bildungseinrichtungen sowie im Rahmen formaler und informeller Erziehungsarbeit würde mit Sicherheit große gesellschaftspolitische Verbesserungen mit sich bringen.

Das YCR-E Projekt stützt sich dabei maßgeblich auf:

Es geht also auch um den Erwerb von Werten und  insbesondere darum, Fähigkeit zu erwerben,  um differenziert wie moderat mit sich und der Welt in Interaktion zu treten.

Da selbst unter Pädagogen große Auffassungsunterschiede und Unklarheit über Sinn, Zweck und Inhalt zivilgesellschaftlicher Bildung herrschen, sind bestimmte Begriffsklärung (siehe nachfolgendes Wiki: Glossar) notwendig. So ist bspw. nur sehr wenigen PädagogenInnen die positive Wechselwirkung zwischen der Einführung von Civic Education an Schulen und dem Erreichen der PISA-Ziele bewusst.

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Thomas R. Jefferson,
Erfinder der Civic Education

LehrerInnen wie Eltern sind in der Regel Einzelkämpfer. Rat und Hilfe in vorausschauender Weise anzunehmen ist zumeist nicht Teil ihrer Vorstellungswelt. Nicht aus antizipativem Denken oder aus konstruktivem Ansatz heraus, sondern eher aus der Not geboren, wird agiert. Die Meisten können sich überhaupt nicht vorstellen, welche Chancen und Verbesserungen eine echte Teamarbeit für sie und für die ihnen Anvertrauten bedeuten würde. Dabei könnte man alles auf eine simple Formel bringen: „Demokratie lernen“ bedeutet, den Wert partnerschaftlicher Zusammenarbeit erkennen. Diese Kooperation schafft ihrerseits Vertrauen, was wiederum zum Abbau von Vorurteilen und Ängsten führt,  die in der Folge die Grundlage für eine friedlichere und weniger aufgeregte Gesellschaft bilden können. Die Kenntnis, dass die Kinder unser Verhalten aufgrund ihrer genetischen Disposition in ihrem eigenen Verhalten widerspiegeln, sollte deshalb längst zum Handwerkszeug eines jeden Pädagogen, eines jeden Erziehers gehören. Civic Education gliedert sich deshalb grob  in:

  • Eltern- und Erwachsenenbildung

  • frühkindliches Lernen

  • pubertäres Lernen

  • postpubertäres Lernen

  • anthropologisch – pädagogische Bildung

  • interkulturelles Lernen und politische Bildung.
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John Dewey,
Erneuerer der Civic Education

Besonders nötig ist auch die inter-, und multidisziplinäre Erneuerung durch die Implementierung neuester Erkenntisse aus den Kognitionswissenschaften, der Ethologie und der Neurobiologie (Gehirn- und Genforschung) in den schulischen und erzieherischen Alltag. Diesen Weg verfolgt unser Projekt, insbesondere mit dem übergeordneten Ziel neue Standards und Methoden für die europäische Bildungs-, und Erziehungslandschaft anzubieten. Die schon erwähnten Lissabonziele und die gerade erst in Angriff genommene „Soziale Dimension“ der EU und mit ihnen das Phänomen des lebenslangen Lernens bieten dazu ganz neue Perspektiven. Lassen Sie sich also darauf ein, machen Sie mit und unterstützen Sie unser Vorhaben auch zu Ihrem eigenen Vorteil.

Insgesamt geht es bei Civic Education um die Professionalisierung der Bildungslandschaft um die analoge Erneuerung von Bildungspolitik, Erziehung und insbesondere dem Erlernen des Lernens. Der Erwerb von Kompetenzen und die Milderung von Zwangshandlungen sind ein automatischer Nebeneffekt. Mit unserem Projekt wollen wir Lehrern, Eltern und Erziehern neue und bessere Instrumentarien in die Hand geben, damit sie ihre verantwortungsvolle Aufgabe noch effizienter und erfolgreicher als bisher gestalten können – schließlich und endlich auch um dadurch selbst ein wenig zufriedener und gleichzeitig  glücklicher zu werden.

Michael Stanzer

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Den Hintergrund von reThink! 2 und Civic Education bilden die folgenden strategischen und bildungspolitischen Ziele:

  • 10 Thesen zur Einführung von Civic Education als grundlegendes Schulmodell :

Die hier formulierten Thesen basieren auf der Expertise „Mitbestimmen, mitmachen, mitgestalten.“ Entwurf einer bürgergesellschaftlichen und sozialpädagogischen Begründung von Chancen der Partizipations- und Engagementförderung in ganztägigen Lernarrangements“, die von Birger Hartnuß und Dr. Stephan Maykus im Auftrag des BLK-Programms der Bundesrepublik Deutschland: „Demokratie lernen & leben“ erstellt wurde.

Birger Hartnuß
Referent für Bürgerengagement
in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz


Schule als demokratischer Ort und partnerschaftlich orientiertes Lernzentrum im Gemeinwesen

10 Thesen zu bürgergesellschaftlichen Entwicklungspotenzialen von (Ganztags-) Schulen

Von Birger Hartnuß und Dr. Stephan Maykus

1. Bürgerschaftliches Engagement ist ein Bildungsfaktor!

Fähigkeiten zur demokratischen Teilhabe und die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme bilden die Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit der demokratischen Gesellschaft und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Es gilt, die Diskussion über diese Zusammenhänge und Potenziale in die aktuelle Bildungs-debatte einzubringen und in den anstehenden Reformprozessen zu verankern.

2. Das Lernen von „Bürgerschaftlichkeit“ muss frühzeitig ermöglicht werden!

Bürgerschaftliche Verhaltensdispositionen werden in Kindheit und früher Jugend geprägt. Frühzeitige Engagement- und Demokratieförderung ist daher eine Aufgabe sowohl von Familie als auch der pädagogischen Institutionen. Dabei kommt der Schule als pädagogischem Ort, der tendenziell alle Kinder und Jugendlichen erreicht, eine herausragende Bedeutung zu. Die Entwicklung sozialer Kompetenzen und die Ausprägung von Gemeinsinn sind jedoch bislang erst ansatzweise in den Kernbereichen des schulischen Auftrags verankert.

3. „Civic education“ muss selbstverständlicher Teil des schulischen Bildungs- und Erziehungsauftrags werden!

Ein modernes Bildungsverständnis im Bereich der Schule muss heute darauf abzielen, dass nicht nur kognitives Wissen, sondern auch soziales Lernen und Kompetenzen wie Kommunikations-, Kooperations- und Teamfähigkeit, Empathie und soziales Verantwortungsbewusstsein vermittelt werden. Die Schule muss daher Lern- und Erfahrungsräume zur Verfügung stellen, die die Herausbildung von Engagement-bereitschaft und -motivation sowie demokratischer und zivilgesellschaftlicher Handlungsorientierungen junger Menschen fördern. Sie steht vor der Herausforderung, „civic education“ als selbstverständlichen und gleichberechtigten Teil in ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag zu integrieren.

4. Bildung braucht Kooperation, Vernetzung, sozialpädagogische und bürgerschaftliche Perspektiven!

Einem umfassenden Bildungsanspruch kann Schule allein nicht gerecht werden. Es ist vielmehr geboten, schulische und außerschulische Bildungspotenziale bei der Gestaltung von Bildungsprozessen neu aufeinander zu beziehen. Ein umfassendes Lern- und Bildungskonzept geht von einem engen Zusammenspiel der unterschiedlichen Bildungsinstitutionen, Bildungsorte, Bildungsaufgaben und Bil-dungsprozesse aus und bringt sie in ein neues Verhältnis, das Kindern und Jugendlichen optimale Bildungs- und Teilhabechancen bietet, sie auf die Bewältigung des Alltags und der Zukunft vorbereitet und für eine gelingende Lebensführung rüstet. Dies bedeutet, das Zusammenspiel von Familie, Schule, Kinder- und Jugendhilfe sowie vielfältiger weiterer gesellschaftlicher Akteure und Bildungsgelegenheiten neu zu gestalten. Dabei geht es auch um eine sozialpädagogische Erweiterung des Bildungsverständnisses. Bildung zielt auf die Entwicklung allgemeiner Lebensführungs- und Bewältigungskompetenz. Ein Bildungskonzept, das dieser weiten Zielperspektive verpflichtet ist, umfasst gleichauf mit Aufgaben der kulturellen und materiellen Reproduktion auch Aspekte der sozialen Integration und des sozialen Lernens.

5. Es gilt, die „Lagerfeuer“ unterschiedlicher Fachdiskurse zusammen zu bringen und synergetisch miteinander zu verknüpfen!

Die Diskussionen um Partizipation, Engagementförderung, ein umfassendes Bildungsverständnis und Ganztagsschule als kooperativ gestalteter Lern- und Lebensraum werden gegenwärtig nahezu als parallele Entwicklungen betrachtet, obgleich sie unmittelbare konzeptionelle Verknüpfungsmöglichkeiten bieten, die für eine innovative Gestaltung von Bildungsbedingungen junger Menschen zu-künftig stärker zu betonen und in ihren Koppelungschancen zu nutzen sind. Ihre enge Verknüpfung, die sich in einem bürgerschaftlich orientierten Leitbild von (Ganztags-) Schule ausdrücken könnte, würde den Erfolg der einzelnen Debatten in ihrer Intensität, Konsequenz und praktischen Implementierung deutlich steigern.

6. Ganztagsschule eröffnet indirekte und direkte Potenziale der Förderung von Partizipation und Bürgerengagement!

Die Diskussion um den Ausbau und die Weiterentwicklung von Ganztagsschulen in Deutschland ist begleitet von erheblichen gesellschaftlichen Erwartungen. Auch hinsichtlich der Förderung von Partizipation und bürgerschaftlichem Engagement bestehen berechtigte Hoffnungen. Die Ganztagsschule bietet dafür einen indirekten und direkten Ermöglichungsrahmen. Zu den indirekten Ermöglichungsfaktoren zählen insbesondere erweiterte Raum- und Zeitkonzepte, ein integratives, kooperationsoffenes Leitbild sowie eine ganzheitliche, lebensweltorientierte Gestaltungsperspektive der Ganztagsschule. Direkte Chancen für Engagement- und Partizipationsförderung liegen in der Innovation der Lehr- und Lernkultur, in konkreten Konzepten der „civic education“ und „community education“ sowie der äußeren Öffnung der Ganztagsschule für Kooperationen und Partnerschaften mit der Jugendhilfe und vielfältigen anderen Akteuren der Bürgergesellschaft.

7. Ganztagsschule bietet Chancen für Partizipation und Bürgerengagement – die Förderung von Partizipation und Bürgerengagement bietet Chancen für die Gestaltung von Ganztagsschulen. Bestehende Potenziale müssen jedoch aktiv ausgeschöpft werden! Ihre Entfaltungsmöglichkeiten steigen mit dem Grad der Integriertheit von „civic education“ in den schulischen Konzepten.

Chancen und Spielräume der Partizipations- und Engagementförderung in und durch Ganztagsschule entfalten sich nicht automatisch. Notwendig ist ihre konzeptionelle Herausstellung und die operative Umsetzung bestehender Potenziale in konkreten Konzepten und Projekten. Dafür gibt es keine Standardvorlagen. Die Analyse der jeweiligen Bedingungen und Besonderheiten der Einzelschule ist Ausgangspunkt für die Entwicklung altersgerechter Lern- und Erprobungssituationen mit Ernstcharakter. Chancen der Partizipations- und Engagementförderung steigen mit dem Organisationsgrad des Ganztagsschulbetriebs. Als entscheidend – und die organisatorischen Grenzen tendenziell kompensierend – erweist sich der erreichte Grad an Integriertheit von Konzepten der Partizipations- und Engagementförderung („civic education“) in der Schule.

8. Die konzeptionelle Verankerung demokratischer und bürgerschaftlicher Prinzipien im pädagogischen Selbstverständnis der Schule, in ihrem Leitbild, ggf. ihrem Schulprogramm, ist der entscheidende Schlüssel für den Erfolg der Förderung von Partizipation und Bürgerengagement!

Konzepte der Partizipations- und Engagementförderung in und durch (Ganztags-) Schule entfalten ihre Potenziale umso intensiver, als sie und die mit ihnen verbundenen bürgerschaftlichen Intentionen selbstverständlicher Teil der Schulkultur, des schulischen Selbstverständnisses, der Schulphilosophie sind. Die Verankerung bürgerschaftlichen Engagements im schulischen Leitbild drückt sich darin aus, dass das Bildungsziel des ‚kompetenten Bürgers’, also Fähigkeiten zur Kooperation mit anderen für ein gemeinsames Anliegen und die Vertrautheit mit demokratischen Regeln, Verfahren und Institutionen, in den pädagogischen Konzepten aufgewertet werden und gleichauf mit kognitiven Dimensionen des Lernens Beachtung erfahren. Dieser Anspruch muss als Prinzip im Schulalltag spür- und erfahrbar sein und sich als Element der Schulkultur entfalten. Es geht damit letztlich um eine nachhaltige Einbindung von „civic education“ in den Bildungsauftrag der Schule.

9. Die Förderung von Partizipation und Bürgerengagement geht mit einer Öffnung der Schule hin zum Gemeinwesen einher! Ein bürgergesellschaftliches Leitbild von Schule bietet dafür einen adäquaten Orientierungsrahmen. Einem solchen Leitbild liegt ein Selbstverständnis von Schule als demokratischem Ort und partnerschaftlich orientiertem Lernzentrum im Gemeinwesen zugrunde.

Ein bürgergesellschaftliches Leitbild von Schule zeichnet sich durch eine enge Verknüpfung von Strategien der inneren und äußeren Öffnung von Schule aus. Wege der inneren Öffnung zielen darauf ab, durch neue Formen des Unterrichtens und Lernens Prinzipien wie Handlungsorientierung, eigenständiges und ver-ständnisintensives Lernen zu stärken und dabei Erfahrungen der demokratischen Mitbestimmung und der Verantwortungsübernahme in realen Handlungs- und Entscheidungssituationen zu ermöglichen. Gleichzeitig geht es um die demokratische Gestaltung des Schulalltags insgesamt, bspw. durch die Aufwertung der Rolle von Schüler- und Elternvertretungen, die Stärkung von Begegnungs- und Ko-operationsformen und ein gemeinsames Engagement von Schülern, Lehrern und Eltern.

Strategien der äußeren Öffnung zielen auf die Einbettung der Schulen in das umliegende Gemeinwesen, ihre Integration in die lokale Bürgergesellschaft. Durch die enge Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen, zivilgesellschaftlichen Akteuren und auch Wirtschaftsunternehmen können schuluntypische Sichtweisen in Prozesse des schulischen Lernens und Lebens einbezogen werden. Dadurch erfährt Schule eine lebensweltliche Öffnung und Bereicherung. Sie kann dadurch gleichzeitig für Aktivitäten und gemeinschaftliches Leben der Gemeinde aufgeschlossen werden und sich zu einem Zentrum des Gemeinwesens entwickeln. In diesem Zusammenhang geht es auch um den Aufbau vielfältiger Partnerschaften und Bündnisse, die Brücken zwischen Schule und lokaler Bürgergesellschaft bauen, zusätzliche Kompetenzen und Ressourcen erschließen und neue Formen der Zusammenarbeit zu gegenseitigem Vorteil ermöglichen. Kern eines bürgerschaftlich orientierten Leitbildes von Schule ist somit ein Selbstverständnis von Schule als demokratischem Ort und partnerschaftlich orientiertem Lernzentrum im Gemeinwesen. Ein solches Leitbild eröffnet insbesondere der Ganztagsschule weit reichende Gestaltungsoptionen.

10. Es gilt, die Förderung von Partizipation und Bürgerengagement als Gestaltungsziel an sämtlichen Schulen, in allen Schulformen zu etablieren!

Partizipation und bürgerschaftliches Engagement sind sowohl in ihren pädagogischen Potenzialen für die Gestaltung von Schule und Lernen als auch in ihrer Bedeutung als Bildungsziel keineswegs auf ganztägige Formen der Schulorganisation beschränkt. Sie können und sollen vielmehr in sämtlichen Schulformen ihren Niederschlag finden. Durch eine Beschränkung auf einzelne Schulformen oder Bildungsgänge würde Partizipation – entgegen der mit ihr verbundenen gesellschaftlichen Intention – soziale Selektivität sogar verstärken, statt Integration zu fördern. Von daher muss es ein gesellschaftliches Anliegen sein, Teilhabe und Mitbestimmung im gesamten Bildungs- und Schulsystem als pädagogisches Prinzip und Bildungsfaktor zu verankern.


Diese Thesen basieren auf der Expertise:

„Mitbestimmen, mitmachen, mitgestalten.

Entwurf einer bürgergesellschaftlichen und sozialpädagogischen Begründung von Chancen der Partizipations- und Engagementförderung in ganztägigen Lernarrangements“,

die von Birger Hartnuß und Dr. Stephan Maykus im Auftrag des
BLK-Programms „Demokratie lernen & leben“ der Bundesrepublik Deutschland erstellt wurde.

www.blk-demokratie.de/fileadmin/public/dokumente/Hartnu___Maykus.pdf

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